Maike Finnern neue Landesvorsitzende

Gewerkschaftstag der GEW NRW in Essen: „Vielfalt bereichert.“

Die Delegierten des Gewerkschaftstags wählten Maike Finnern mit 93,7 Prozent an die Spitze der GEW NRW. Gesamtschullehrerin Ayla Çelik und Berufsschullehrer Sebastian Krebs sind Stellvertreter*innen. Auch wir haben Maikes Kandidatur unterstützt.
Maike Finnern neue Landesvorsitzende

Die GEW NRW hat ihre Spitzenpositionen neu besetzt, setzt aber gleichzeitig auf Kontinuität. Die 400 Delegierten des Gewerkschaftstags wählten die Bielefelder Realschullehrerin Maike Finnern (50 Jahre), die in früheren jahren auch bei uns im Kreisverband Herford mitgearbeitet hat, mit 93,7 Prozent an die Spitze des Landesverbandes. Sie löst die langjährige Vorsitzende Dorothea Schäfer ab, deren Stellvertreterin Maike Finnern fast acht Jahre lang war.

Als stellvertretende Landesvorsitzende wurde erstmals Ayla Çelik (50 Jahre), Gesamtschullehrerin aus Köln, gewählt. Sie erhielt 88,7 Prozent der Stimmen. Für Kontinuität im Amt bestätigt wurde Sebastian Krebs (59 Jahre), Lehrer an einem Düsseldorfer Berufskolleg, mit 87,3 Prozent der Delegiertenstimmen. Die Amtszeit des Führungstrios wie auch des neuen Landesvorstands insgesamt beträgt drei Jahre.

In ihrer engagierten Antrittsrede stellte die neu gewählte Landesvorsitzende die unzureichende Bildungsfinanzierung in den Vordergrund: „Sie ist das entscheidende Thema, an dessen Ausgestaltung sich die Zukunft des Bildungswesens in Nordrhein-Westfalen entscheiden wird.“ In den Schulen fehlten Ressourcen, so Maike Finnern, „beispielsweise für die Inklusion sowie für bessere Arbeitsbedingungen“. Die Unterfinanzierung der frühkindlichen Bildung reiße immer neue Lücken auf, auch die Weiterbildung sei chronisch unterfinanziert. An den Hochschulen sei die schlechte Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden nicht länger hinzunehmen. Maike Finnern versprach den Delegierten, sich auch künftig weiter um den Generationendialog sowie die Gewinnung und Aktivierung junger Mitglieder in der Gewerkschaft intensiv zu kümmern.

Ayla Çelik, mit elf Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, wandte sich mit einem persönlichen Statement an die Delegierten: „Bedingt durch meine eigene Zuwanderungsgeschichte weiß ich, wie bedeutend Bildungs- und Chancengerechtigkeit für die Schüler*innen ist – vor allem, wenn wir bedenken, dass in Deutschland die sozio-ökonomische Herkunft immer noch den Schulerfolg und eine gelungene Bildungsbiografie bestimmt. Bildungsbenachteiligt sind nach wie vor Kinder aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern und Kinder mit Migrationshintergrund und vorhandenen Sprachbarrieren.“ Sie sieht ihre Hauptaufgabe darin, für mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit einzutreten.

Sebastian Krebs, seit sechs Jahren stellvertretender Landesvorsitzender, sieht seine Arbeitsschwerpunkte im Tarifbereich: „Die Verbesserung des Tarifvertrags für die angestellten Lehrkräfte steht dabei ebenso im Vordergrund wie die längst überfällige Einführung eines Eingangsamtes aller ausgebildeten Lehrkräfte nach A13Z bzw. EG13.“ Arbeitszeit, zunehmende Überlastung und in dem Zusammenhang ein funktionierender Arbeits- und Gesundheitsschutz stehen für Sebastian Krebs weiterhin im Fokus. „Es kann nicht sein, dass in allen Bildungsbereichen Höchstleistungen verlangt werden, gleichzeitig aber die Gesundheit der Beschäftigten missachtet wird. Hier werden wir uns massiv für Verbesserungen einsetzen, die über das reine Messen der Belastungen hinaus gehen.“

Nach seiner Rede durfte Staatssekretär Matthias Richter stellvertretend für Schulministerin Yvonne Gebauer eine Resolution des Gewerkschaftstages entgegennehmen. Die Delegierten des Gewerkschaftstages forderten darin neben der wirksamen Bekämpfung des Lehrkräftemangels eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung und die Verkleinerung der Klassengrößen. Außerdem muss für alle Lehrkräfte die Besoldung nach A 13 Z als Einstiegsamt noch in diesem Jahr umgesetzt werden, analog dazu gelte die Entgeltgruppe EG 13 (plus Studienratszulage) für alle tarifbeschäftigten Lehrkräfte. Für die Inklusion und Integration in allen Schulen forderten die Delegierten bedarfsgerechte Ressourcen. Statt prekärer Beschäftigung soll es tarifgerechte Entlohnung geben.

Am Vortag hatte der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen in einem Grußwort auf die Bedeutung Essens als Bildungsstandort des Ruhrgebiets hingewiesen und auf das Versprechen Aufstieg durch Bildung. Bezogen auf das Gewerkschaftstagsmotto sagte er: „Unsere Stadt ist groß geworden durch viele Menschen, die hierher gekommen sind. Wir haben Vielfalt in unseren Genen. Die GEW NRW hätte sich kein schöneres Motto und keinen besseren Ort hier mitten im Ruhrgebiet aussuchen können.“

Berthold Paschert

Pressesprecher
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